Frisch auf dem Ladentisch: „Industrie 4.0. Risiken und Chancen für die Berufsbildung“

Der Sammelband von Spöttl & Windelband bündelt wichtige Autoren, Studien und Beiträge und bietet so eine gute Hilfe für die Diskussion um Industrie 4.0 in der Berufsbildung. Der kaufmännische Bereich bleibt allerdings außen vor.

Prof. Dr. Georg Spöttl, Emeritus der Uni Bremen, und Prof. Dr. Lars Windelband, Hochschule Schwäbisch Gmünd, sind Vertreter der gewerblich-technischen Berufsbildung und ausgewiesene Experten für die Berufsbildung im Kontext von Industrie 4.0, die u. a. die vom Vbm in Auftrag gegebene Studie durchgeführt haben. Sie haben jetzt einen Sammelband „Industrie 4.0. Risiken und Chancen für die Berufsbildung“ im W. Bertelsmann-Verlag herausgegeben.

Die Einleitung (Spöttl & Windelband) tut wirklich das wonach sie benannt wurde. Die folgenden Beiträge leisten wichtige Abgrenzungen und führen die Leserin und den Leser geschichtlich ein. Röben differenziert dabei die vier industriellen Revolutionen, die dem Terminus „Industrie 4.0“ zugrunde liegen, wobei ich gerade die Aufbereitung der dritten Revolution und dadurch mögliche Abgrenzungen zur vierten hilfreich finde. Der folgende Beitrag von Hartmann u. a. will die Frage nach Hype oder Revolution klären und bietet eine interessante Abgrenzung von Industrie 4.0 zur Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) und Computerintegrated Manufactoring (CIM) der 1980er und 1990er Jahre.

Der Sammelband führt in zentrale Konzepte von Industrie 4.0 ein. Dazu zählt die verständliche Einführung in das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI 4.0) von Kellermann-Langhagen und die Ausführungen zur Mensch-Maschine-Interaktionen von Czerniak u. a.

Zwei Beiträge widmen sich den sog. Szenarien, d. h. welche Auswirkungen Industrie 4.0 – generell betrachtet – auf die Struktur der Qualifikationsanforderungen haben. Dabei werden von Hirsch-Kreinsen und Ittermann einerseits und Lee und Pfeiffer andererseits die schon in anderen Kontexten veröffentlichten Szenarien dargelegt. Der erste Beitrag überschreibt dies treffend mit „Alles ist möglich – Szenarien zur Arbeit und Qualifikation in Industrie 4.0“. Damit wird die Gestaltungsmöglichkeit und -notwendigkeit erneut aufgeworfen.

Zwei Beitrage, genauer Pfeiffer und Lee sowie Spöttl und Windelband, bieten kompakte Einsicht in die beiden zentralen Studien in diesem Bereich, nämlich die Studie im Auftrag des VDMA und die Studie im Auftrag des VBM. Auch Unternehmensbeiträge, von Siemens und Festo, fehlen nicht und der Handwerksbereich wird mit einem eigenständigen Beitrag vorgesehen.

Das Buch konzentriert sich – hier schlägt die Herkunft der Herausgeber durch – auf den gewerblich-technischen Bereich. Kaufmännische Aspekte spielen so gut wie keine Rolle – mit Ausnahme einiger Ausführungen in dem Beitrag zur Logistik (Gorldt), der allerdings auch weitgehend technisch bleibt. Dem umfassenden Konzept von Industrie 4.0 und dem Untertitel „Risiken und Chancen für die Berufsbildung“ wird dieser Fokus nicht gerecht. Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass die gewerblich-technische Berufsbildung deutlich weiter in der Erörterung der Konsequenzen von Industrie 4.0 ist.

Das Buch bietet insgesamt eine hilfreiche Einführung in die Diskussion. Es bündelt Veröffentlichungen und Autoren, die sonst verstreut sind. Klare Empfehlung für das Buch von meiner Seite.

Quelle: Spöttl, G. & Windelband, L. (Hrsg.). (2017). Industrie 4.0 Risiken und Chancen für die Berufsbildung? Bielefeld: W. Bertelsmann. [Bild: Cover des Buches, Ausschnitt]

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