Genderspezifische Betrachtung potentieller Beschäftigungswirkungen von Industrie 4.0

Das IAB legt einen aktuellen Bericht vor, der die Substituierbarkeitspotentiale von Berufen genderspezifisch betrachtet. Männer haben dabei über alle Anforderungsniveaus ein höheres Substituierungsrisiko.

Katharina Dengler und Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hatten bereits 2015 in einem Forschungsbericht die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt erörtert. Sie haben dazu die Substituierbarkeitspotenzial in verschiedenen Berufssegmenten und Anforderungsniveaus berechnet. Dabei nehmen sie die Einteilung von Substituierbarkeitspotentialen aus der immer wieder zitierten Studie von Frey und Osborne (2013) auf, verwenden aber deutsche Daten, vor allem die Berufenet-Datenbank.

Die Studie aus 2015 wird nun von Dengler und Matthes ergänzt durch genderspezifische Betrachtungen in dem IAB-Bericht „Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt: Substituierbarkeitspotenziale nach Geschlecht“ (24/2016). Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigungsmöglichkeiten – aber auch darüberhinausgehend die Beschäftigungsumfelder bzw. die Veränderungen der Arbeit selbst – für verschiedene Gruppen der Bevölkerung steht noch ganz am Anfang. Dies zeigt auch das jüngst erschienene Weißbuch Arbeiten 4.0 (Posting dazu folgt), das dieses Thema nur sehr kurz aufnimmt (siehe etwa BMAS 2016, S. 51). Gesellschaftspolitisch erscheint mir diese differentielle Betrachtung der Chancen und Risiken von Industrie 4.0 jedoch von hoher Wichtigkeit. Unter dieser Perspektive wäre daher zentral, Industrie 4.0 auch als Thema von gender studies zu verfolgen.

Dengler und Matthes leisten dazu einen Beitrag. Sie zeigen erhebliche Differenzen bezüglich des Substituierbarkeitspotentials auf. Männer arbeiten generell eher in Berufen mit einem hohen Anteil von Tätigkeiten, die schon heute von Computern übernommen werden könnten. D. h. Männer haben ein stärkeres Substituierbarkeitspotential. Das gilt für alle Anforderungsniveaus der Berufe. Besonders stark sind jedoch die Differenzen im Bereich der Berufe mit niedrigem Anforderungsniveau. Natürlich heißt ein hohes Substituierbarkeitspotential nicht, dass auch tatsächlich substituiert wird, worauf der Bericht pflichtschuldig hinweist. Gleichwohl wird – auch ohne Bezüge zu zornigen weißen Männern im Rust Belt der USA – deutlich, dass eine differentielle Betrachtung der Chancen und Risiken von Industrie 4.0 notwendig ist.

Quellen: BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales). (2016). Weißbuch Arbeiten 4.0. Diskussionsentwurf. Berlin. Dengler, K. & Matthes, B. (2015). Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt. Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland. Nürnberg: IAB (IAB-Forschungsbericht 11/2015). Dengler, K. & Matthes, B. (2016). Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Substituierbarkeitspotenziale nach Geschlecht. Nürnberg (Aktuelle Berichte 24/2016). [Bild: Ausschnitt des Covers der Studie]

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