Performance Support

Performance Support meint die Unterstützung in der Leistungssituation, zum Beispiel durch situationsabhängige Hinweise.

Der Begriff der Performance Support Systeme (PSS) bzw. der elektronischen Performance Support Systeme (EPSS) wird mit der Pionierarbeit von Gloria Gery (1991) verbunden. Eine verbreitete Definition bietet auch Allison Rossett in ihrem Interview. Heute findet sich eine Vielzahl von Definitionen von Performance Support (Villachica, Stone & Endicott, 2006, S. 541). Villachica, Stone & Endicott definieren Performance Support als „optimized body of integrated on-line and off-line methods and resources providing what performers need, when they need it, in the form they need it in, so that they can perform in ways that meet organizational objectives“ (2006, S. 540). Sie unterscheiden PSS nach der Art der Integration in die Situation, dem Umfang der Unterstützung und der Tragbarkeit, zum Beispiel wenn Wearables für Performance genutzt werden. Sie zeigen auf, dass es eine hohe Ähnlichkeit von PSS zu folgenden Konzepten gibt: Business Process Integration Tools, Enterprise Application Integration, Composite Applications, Portals, Decision Support Systems.

Eine ältere Veröffentlichung von Bielawski und Metcalf (2003, S. 31) listet folgende Formen: Mentoring (one-to-one coaching), On-the-job training (OJT) (structured and unstructured forms), Job aids (paper and online), Online help (Windows, web/html), EPSS databases (repositories of recombined EPSS objects), Embedded systems (context sensitive help), Threaded discussion groups, Live online help (chat).

Neue Ansätze berücksichtigen Techniken der virtuellen Realität (VR) bzw. der erweiterten Realität (AR). Dabei spielt das M-Learning mit Hilfe mobiler IT eine große Rolle. Entsprechend systematisiert Carney eine Reihe neuerer Möglichkeiten.

team_carney_performance_supportQuelle: Carney (2016)

Ein Beispiel ist der Visual Online Support beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf. Typisch für Peformance Support ist die Anpassung an die Mitarbeitenden wie zum Beispiel auch bei der neuen Montagelinie der Bosch Rexroth AG in Homburg/Saar. Als Sonderform des Performance Supports verstehe ich die im Umfeld der Plattform Industrie 4.0 diskutierten Learnstruments bzw. Lernzeuge.

Performance Support ist „arbeitsplatzintegriertes Lernen oder Lernen am »Point of Doing«“ (Steinhübel 2016, S. 4). Lerntheoretisch bzw. pädagogisch betrachtet ist Performance Support ein Lernen am Arbeitsplatz bzw. Lernen im Prozess der Arbeit.

Quellen: Bielawski, Larry; Metcalf, David (2003): Blended elearning. Integrating knowledge, performance, support, and online learning. 1st ed. Amherst, Mass.: HRD Press; Gery, Gloria (1991): Electronic performance support systems. How and why to remake the workplace through the strategic application of technology. 1st ed. Boston: Weingarten Publications; Steinhübel, N. (2016). Performance Support – oder wie Sie Ihre Mitarbeiter am »Point of Doing« arbeitsplatzgerecht qualifizieren. In K. Wilbers (Hrsg.), Handbuch E-Learning (62. Erg.-Lfg. April 2016, Abschnitt 6.29, S. 1–13). Köln: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst; Villachica, Steven W.; Stone, Deborah L.; Endicott, John (2007): Performance Support Systems. In: James A. Pershing (Hg.): Handbook of human performance technology. Principles, practices, and potential. Princeton, N.J.: Recording for the Blind & Dyslexic, S. 539–566. [Bild 1: Bimmer, Fabian: Inside the iSurgery operation.Photographers‘ Blog. blogs.reuters.com; Bild 2: (c) Carney Inc. 2016; http://www.teamcarney.com/capabilities/performance-support/]

 

 

1 Comments

  1. Prof. Dr. Peter Mertens, Universität Erlangen-Nürnberg, Wirtschaftsinformatik Isays:

    Zu den Begriffen im Zusammenhang mit „Performance Support“ könnte man noch „Echtzeit-Instruktion“ und die Nanodegrees ergänzen.
    Diese Form des Lehrens bzw. Instruierens mag besonders wichtig werden. Werker an Montagelinien oder auch Kundendienstler stehen vor immer neuen Situationen, wenn im Zuge stark individualisierter Produktion („Losgröße 1“) das Einüben v o r dem Produktionsanlauf einer Großserie nicht mehr funktioniert. Eine Herausforderung zumal im DACH wird wahrscheinlich sein, weniger qualifizierte Kräfte in die Wertschöpfung einzubinden. Z. B. Flüchtlinge mit mangelnden Sprachkenntnissen. Auch dann gerät das Lernen auf Verdacht und Vorrat an Grenzen. Umgekehrt könnte das Lehren unter Verwendung von (personalisierten/situationsabhängigen) Lernermodellen so etwas wie die einzige Chance werden.

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